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Filmkritiken in der FTD


Das Massaker von Katyn

Polen 2007, 118 Min. Regie Andrzej Wajda Darsteller Maja Ostaszewska, Artur Zmijewski, Jan Englert

Katyn – in diesem russischen Ort wurden 1940 Tausende polnische Offiziere vom sowjetischen Geheimdienst NKWD erschossen. Bis zum Ende des Kalten Krieges machten die Russen allerdings die Nazis für diese Verbrechen verantwortlich. Der polnische Regisseur Andrzej Wajda, dessen Vater selbst in Katyn starb, setzt mit diesem Film einen Schlusspunkt unter die verschiedensten Propagandalügen, die diesen barbarischen Akt bis heute begleiten. Aus der Perspektive der Opfer und ihrer Angehörigen erzählt Wajda die Vor- und Nachgeschichte des Massenmords und zeigt, das man in Polen nie vergessen hat, wer die wahren Täter waren. Eindimensionale Charaktere, ins Kitschige abdriftende Dialoge und viele Zeitsprünge sorgen leider dafür, dass man als Zuschauer nie wirklich berührt wird. Wer den Film aber als zeitgeschichtliche Momentaufnahme des polnischen Nationalbewusstseins der Gegenwart betrachtet, kommt vielleicht dennoch auf seine Kosten.

Financial Times Deutschland vom 10.09.2009



Berlin '36

Deutschland 2009, 101 Min. Regie Kaspar Heidelbach Darsteller Karoline Herfurth, Axel Prahl

Was ist wichtiger? Die eigene Karriere, eine Freundschaft oder politische Überzeugungen? Die Protagonisten dieses Films geben unterschiedliche Antworten auf diese Frage. Im Mittelpunkt der Handlung steht die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann. Aus dem englischen Exil will das NS-Regime sie 1936 zurück nach Deutschland holen, sie soll bei der Olympiade einen Goldmedaille für das Reich holen. Erst als die Nazis ihre in Deutschland gebliebene Familie bedrohen, macht sie bei dem Propagandaspiel mit. Der Sieg scheint ihr sicher, bis der Reichssportführer unerwartet eine „arische“ Konkurrentin ins Spiel bringt – die in Wahrheit ein Mann ist. Im Verlauf des getürkten Wettkampfs entsteht eine Freundschaft zwischen den Kontrahentinnen. Die überzeugend besetzten Charaktere helfen darüber hinweg, dass die Handlung teilweise recht konstruiert wirkt. Dabei beruht der Film auf einer wahren Geschichte. Die echte Gretel Bergmann, die heute in New York lebt, hat sogar einen Gastauftritt.

Financial Times Deutschland vom 10.09.2009


Unbeugsam - Defiance


USA 2008, 137 Min. Regie Edward Zwick Darsteller Daniel Craig, Liev Schreiber, Jamie Bell, George MacKay, Alexa Davalos, Jodhi May

Dieser Film ist wichtig. Er tut das, was bislang wenige vor ihm taten – und zeigt, dass es im Zweiten Weltkrieg einen jüdischen Widerstand gegeben hat. Diese Tatsache wurde jahrzehntelang von vielen Historikern und Filmemachern übersehen. Schauplatz sind die Wälder Weißrusslands im Jahr 1941. Hier haben die Brüder Tuvia und Zus Bielski einst eine Partisanengruppe aufgebaut, mit der sie die deutschen Besatzer bis zum Kriegsende bekämpften. Der Film bleibt dicht am historischen Vorbild und zeigt das rohe und blutige Handwerk der Widerständler in beklemmend nüchternen Bildern. James-Bond-Darsteller Daniel Craig und Liev Schreiber beeindrucken dabei als rivalisierende Bielski-Brüder, die mehr als 1200 jüdische Männer, Frauen und Kinder retten. „Unbeugsam – Defiance“ beginnt mit beklemmenden Originalaufnahmen aus den 40er-Jahren in Polen, die den Zuschauer 140 Minuten lang nicht mehr loslassen – auch wenn Historiker einige Ungenauigkeiten im Film entdeckt haben wollen.

Financial Times Deutschland vom 23.04.2009

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